„Die Grundidee ist brillant! Wir besorgen Enkel auf Bestellung und verkaufen sie zu einem satten Preis an die Auftraggeber.“ „Und wie stellen wir die Geschäftsbeziehungen her? Und wie wollen wir verhindern, dass uns dabei jemand auf die Spur kommt? Und wie soll die Übergabe erfolgen?“ Verena steigerte sich in ihre Rolle der Advocata Diaboli förmlich hinein. „Und wie soll die Knete verteilt werden?“, ergänzte Susanne mit einem berechnenden Glitzern in den Augen.
Im Jahr 2034 hat die Überalterung der Gesellschaft dramatische Formen angenommen, Kinder gibt es nur wenige, der Sozialstaat ist überfordert. Eher schlecht als recht durch das inzwischen gegründete Ministerium für SeniorInnen (MfS) zwangsbetreut, müssen deshalb viele Angehörige der Generation „70plus“ jetzt in kostensenkenden Wohngemeinschaften leben. Da bedarf es schon engagierter Eigeninitiative, um dieser finanziellen Misere zu entfliehen. Ein satirischer Roman nicht nur für Leser/innen im beginnenden Gleitsichtalter.

E-Book: 1,99 €

ePub: 978-9963-52-026-8
Kindle: 978-9963-52-029-9
pdf: 978-9963-52-025-1

Zeichen: 270.554

Printausgabe: 11,99 €

ISBN: 978-9963-52-024-4

Seiten: 174

Kaufen bei:  Amazon Beam iTunes Thalia Weltbild

Torsten Prawitt

Torsten Prawitt, geboren 1957, wechselte nach Geschichts- und Politikstudium mit Magisterabschluss vom gespaltenen Dasein als Nebenbei-Schreiber und Nebenbei-Student zur eindeutigen Existenz als ausschließlicher hauptberuflicher freier Autor. Er veröffentlichte nun noch mehr satirische und humoristische Texte in den Printmedien, einige Sammelbände u. ä. sowie als Kurzhörspiele in allen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten; schrieb außerdem viele Nummern für verschiedene Kabarett-Gruppen. Satirische Gedichte, Nonsensgereimtes und Ungereimtes kamen und kommen dazu. Darüber hinaus erscheinen immer mal wieder kriminelle und makabre Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien. In gemeinsamer ehelicher Autorenschaft mit Ute Haese entstanden außerdem mehrere Sachbücher sowie bisher zwei satirische Romane, nämlich „Die Enkelmacher“ und „Die Soßenhobel-Mafia“, die nach einem missglückten früheren Start bei Griff-ins-Klo-Verlagen inzwischen hier bei bookshouse neu erschienen sind. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Fotografie; auch dieses wird publizistisch in familiärer Teamarbeit beackert.

Autorenseite

Ute Haese

Ute Haese, geboren 1958, promovierte Politologin und Historikerin, war zunächst als Wissenschaftlerin tätig. Neben Fachveröffentlichungen verfasste sie zahlreiche journalistische Kommentare zu politischen und sozialen Themen sowie – teilweise gemeinsam mit ihrem Ehemann Torsten Prawitt – mehrere Sachbücher. Seit 1998 arbeitet sie hauptberuflich als freie Autorin und widmet sich inzwischen ausschließlich der Belletristik im Krimi- und Satirebereich sowie inzwischen zusätzlich der Fotografie. Wie die Protagonistin ihrer ersten Krimi-Reihe um die Fast-schon-Privatdetektivin Hanna Hemlokk schreibt sie außerdem als „Tränenfee“ unter mehreren Pseudonymen sogenannte abgeschlossene Liebesromane für diverse Frauenzeitschriften. In einer zweiten Krimiserie, die im Herbst 2013 bei bookshouse startete, bekämpfen Kriminaloberkommissarin Victoria Boll und ihr Team im fiktiven Döhlin an der Diller das Verbrechen. Ute Haese ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern – Vereinigung deutschsprachiger KrimiAutorinnen", und im SYNDIKAT, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.

Autorenseite

Leseprobe

Laden Sie sich gern unsere XXL-Leseprobe im gewünschten Format (pdf, ePub oder Kindle (mobi)) herunter.

pdf-Datei mobi-Datei ePub-Datei

... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1
Die Gang

Der August hatte mit Spitzenwerten von über 45 Grad wieder einmal alle Prognosen übertroffen. Trotzdem waren die katastrophalen Folgen, wie sie zehn Jahre zuvor im sogenannten Todessommer 2024 eingetreten waren, diesmal ausgeblieben. Die Mortalitätsrate unter den Alten und Schwachen bewegte sich nach dem unvermeidlichen Anstieg zu Beginn der Hitzeperiode auf einem vergleichsweise stabilen Niveau, sodass die vom MfS bekannt gegebenen Zahlen in der Öffentlichkeit eigentlich nicht mehr Beachtung hätten finden dürfen als die alljährlichen Waldschadensberichte früherer Jahrzehnte, zumal die Temperaturen inzwischen wieder auf das Normalmaß gesunken waren. Doch zum großen Verdruss der politisch Verantwortlichen zeichnete sich in sämtlichen Umfragen ab, dass dem nicht so war. Die anstehenden Bundestagswahlen würden offensichtlich durchaus von den unerfreulichen Begleiterscheinungen der meteorologischen Gegebenheiten beeinflusst werden, und so bemühten sich in den noch verbleibenden Wochen vor dem entscheidenden Termin alle Parteien, bei der wichtigsten Zielgruppe der 70 plus zu punkten.
   Thomas Bauer war auf diese Weise in den Besitz zahlreicher Hochglanzbroschüren, eines Gutscheins für eine kostenlose Fußpflege und eines nostalgischen Eiswürfelbereiters gekommen. Die Annahme eines Blutdruckmessgerätes mit integrierter Zuckeranalyse – die Offerte erfolgte durch eine charmante Mittvierzigerin der Jungen Unverdrossenen – hatte er dagegen ebenso freundlich wie bestimmt abgelehnt. Denn in dieser Hinsicht konnte er sich glücklich schätzen. Mit seinen siebenundsiebzig Jahren verfügte er, ausgenommen von gelegentlichen Problemen im linken Knie, immer noch über eine Konstitution, die bei jedem Bevölkerungsstatistiker äußerst zwiespältige Gefühle hervorrief: Einerseits war absehbar, dass er durch seine Langlebigkeit die ungünstige Alterspyramide des deutschstämmigen Bevölkerungsanteils noch negativer beeinflussen würde, andererseits nahm er dank seiner robusten Gesundheit nur wenige der ohnehin stark ausgedünnten öffentlichen Versorgungsleistungen in Anspruch.
   Außerdem hatte Thomas schon vor vielen Jahren zur finanziellen Absicherung des Lebensabends den größten Teil seiner Behandlungsrechte (»BHR-Aufbringungen gemäß Kostenneutralisationsgesetz im Gesundheitswesen vom 8. Mai 2022«) verkauft. Doch im Gegensatz zu manchen ehemaligen Arbeitskollegen oder -kolleginnen, die ebenfalls nach dem Motto »Wird-schon-gut-gehen« ihre Ansprüche veräußert hatten und sich dann eines Tages nach einem unglücklichen Sturz hatten hoch verschulden müssen, um ein paar BHRs für das neue Hüftgelenk zurückzukaufen, hatte er diesen Schritt nie bereut. Zugegeben, auch ihm hätte etwas passieren können, aber ein gewisses Maß an Risikobereitschaft gehörte eben wie bei jeder Aktienspekulation dazu. Und das, was er an medizinischen Leistungen gelegentlich nutzte, fiel sowieso nicht in den verrechnungsfähigen Bereich. Gut, bei den Zähnen, da hatte er sich verschätzt. Im Vertrauen darauf, über ein genauso unverwüstliches Gebiss wie sein Vater zu verfügen, hatte er auch seine Dental-BHRs bis auf wenige Punkte verscherbelt. Dummerweise jedoch war offenbar der genetische Einfluss eines Onkels mütterlicherseits größer als gedacht gewesen, weshalb sich mittlerweile doch eine Reihe von Lücken aufgetan hatten. Aber weil er damit nun wahrlich nicht besonders auffiel, hatte Thomas keinen Anlass gesehen, sich deswegen etwa um einen Kredit zu bemühen – den ihm ohnedies keine Bank gewährt hätte.
   Jedenfalls hatte er sich mit dem Verkauf seiner Optionsscheine die Möglichkeit verschafft, Mitglied einer MfS-geförderten SeniorInnen-Wohngemeinschaft zu werden. Und dort hatte er Susanne kennengelernt. Susanne Iserhoth-Weingarten, verwitwet, kinderlos, ehemalige Logopädin.
   Die sechsundsiebzig Jahre sieht man ihr wirklich nicht an, dachte Thomas und warf seiner Freundin einen zärtlichen Seitenblick zu, während sie nach einem ausgiebigen Spaziergang Hand in Hand wieder in den Breughelweg einbogen. Ihr Haar, immer noch silbrig-grau und nicht schlohweiß wie sein eigenes, aber genauso dicht, trug sie schon lange ebenso peppig wie praktisch kurz geschnitten, sodass es sich in den Monaten zwischen den vierteljährlichen Friseurbesuchen ebenfalls problemlos in Eigenregie nacharbeiten ließ. Mit ihren eins vierundsiebzig war sie zwar nicht besonders groß, doch da sie sich, wenn ihr nicht gerade wieder einmal der Rücken zu schaffen machte, passend zu ihrem Charakter in entschlossener Unbeugsamkeit aufrecht hielt, hatte er nie den Eindruck, von seinen hageren eins dreiundachtzig auf sie hinabzuschauen. Und während viele Frauen ihrer Generation – und natürlich auch Männer – im Alter kräftig zugelegt hatten, verfügte Susanne diesbezüglich offenbar wie er selbst über günstige Gene, sodass es ihr genauso gelungen war, sich ohne selbstquälerische asketische Enthaltsamkeit eine zwar nicht mehr jugendliche, aber doch normalgewichtige Figur zu bewahren.
   Das Traumpaar am Ende der Straße, dachte Thomas selbstironisch und lenkte, als ihm plötzlich die Mehrdeutigkeit der Formulierung bewusst wurde, seine Gedanken schnell auf die unmittelbare Gegenwart. Jetzt würden sie erst gemütlich einen Tee trinken und dann vielleicht für ein Stündchen – er verzog gequält das Gesicht.
   »Suuper Trouuuper beams are gonna blind me …«
   In Wirklichkeit war es gar kein gesungener Text, der ihnen entgegendröhnte, aber was der greise André Rieu da auf seiner Geige produzierte, rief in Thomas’ Kopf sofort die Erinnerung an das ABBA-Original wach, und das machte diese Version nur noch unerträglicher.
   »Scheiße!«, stieß er hervor. »Irgendjemand hat Klaus die Fernbedienung zurückgegeben.«
   »Also ich war’s nicht!«, erklärte Susanne entschieden. »Bestimmt hat sich Sabine wieder breitschlagen lassen. Die ist ja auch nie zu Haus.«
   Sie hatten jetzt den hinteren Teil des Breughelweges erreicht, wo sich, umgeben von einem verwilderten Garten, die Villa der Wohngemeinschaft in ihrem ganzen morbiden Charme erhob. Kurz nach der Jahrtausendwende hatte der Vorsitzende einer sogenannten Gewerkschaft das 1826 erbaute Haus unter etwas dubiosen Umständen erworben, um dort schon damals, gut zwanzig Jahre vor Gründung des MfS, eine Alten-WG einzurichten. Der Verfall einstiger Pracht, bereits zu jener Zeit unübersehbar, hatte sich seither unbarmherzig fortgesetzt, aber im Vergleich zu vielen anderen derartig genutzten Gebäuden konnte dieses Heim dennoch fast als Luxusdomizil gelten. Trotz der abblätternden Farbe, soweit sie sich überhaupt noch an den rissigen Wänden hielt, der nicht mehr ganz gefahrlos zu benutzenden Rollstuhlrampe neben dem Haupteingang und den windschiefen Fensterläden, die sich nur mit äußerster Vorsicht und Kraftanstrengung vor die altertümlichen Doppelglasscheiben in den schon längst nicht mehr dicht schließenden Rahmen klappen ließen, strahlte die Villa insgesamt eine Atmosphäre behaglicher individueller Privatheit aus, die sie von vergleichbaren kommerziellen Einrichtungen klar unterschied.
   »Nanu, wir haben anscheinend Besuch.« Thomas wies auf einen kleinen Lieferwagen, der direkt vor dem Haus parkte. Das amtliche Kennzeichen »MfS – 00113« verriet, dass es sich um einen Dienstwagen des Ministeriums für SeniorInnen handelte. In lesefreundlichem Großdruck verkündete ein Schriftzug an beiden Seiten: »Immer für Sie da. Laura-Luise Holzig, Diplom-Geragogikerin. Kontakt-Box #352*794H oder jede MfS-Dienststelle«.
   Susanne runzelte verwundert die Stirn. »Was will Tante Gera denn mitten im Monat bei uns?«
   »Keine Ahnung. Vielleicht …« Thomas verharrte mitten im Schritt. »Verdammt! War heute nicht WG-Meeting wegen der Neubelegung?«
   »Nicht erst morgen?«
   »Dann wäre sie jetzt nicht hier. So groß ist die liebevolle Zuwendung des MfS für unsere kleine Gemeinschaft« – er verzog seine Lippen bei den letzten Worten zu einem breiten Kunstlächeln, dessen beabsichtigte Wirkung durch die Zahnlücken allerdings eher in die gegenteilige Richtung gelenkt wurde – »nun doch nicht.«
   Schlagartig brach der ABBA-Sound ab.
   »Da. Tante Gera hat die Sitzung eröffnet.«
   »Dann sollten wir uns vielleicht doch ein bisschen beeilen.« Susanne beschleunigte ihre Schritte.
   »Angst vor einem Donnerwetter wegen Zuspätkommens?«, fragte Thomas ironisch, während er sich ihrer Geschwindigkeit leicht humpelnd anpasste.
   Sie grinste zurück, sodass sich die zahllosen Falten um ihren Mund heftig kräuselten. »Eher vor einem gnadenlosen Verständnis.«

Minuten später platzten die beiden ein wenig atemlos in die Küche. An dem großen Tisch in der Mitte plauderte Laura-Luise Holzig angeregt mit einer unbekannten Seniorin, deren Äußeres sofort ins Auge fiel. Ihre absolut fleckenfreie Kleidung war, obwohl auch nicht mehr ganz neuwertig, sorgfältig und mit Geschmack aufeinander abgestimmt und ließ immer noch die hohe Qualität jedes einzelnen Stücks erkennen. Skeptisch beäugte Sabine, die in ihrem üblichen Jogging-Outfit schweigend danebensaß und ungeduldig mit den Fingern trommelte, immer wieder die gepflegte Fremde. Von Marlies, die geistesabwesend in ihrem Rollstuhl kauerte, erklang gelegentlich ein unbestimmter leiser Brummton.
   »Entschuldigt die Verspätung, aber …«
   Laura-Luise blickte durch ihre sowohl zeit- als auch rahmenlosen sozialpädagogischen Rundgläser auf und empfing die beiden Nachzügler dank ihrer speziell auf das Alter bezogenen erziehungswissenschaftlichen Ausbildung als Diplom-Geragogikerin uneingeschränkt positiv mit der Präsentation zweier strahlend weißer Zahnreihen.
   »Susanne! Thomas! Wie schön, dass Sie auch noch zu uns kommen. Bitte, setzen Sie sich doch. Haben Sie einen netten Spaziergang unternommen?« Sie lächelte sie mit leicht schräg geneigtem Kopf und ein wenig geöffneten Lippen erwartungsvoll an.
   »Ja, wir waren einmal bis zum Stadtpark.« Susanne nickte Thomas dankend zu, der ihr galant einen Stuhl zurechtgerückt hatte, bevor er sich mit einem leisen Stöhnen ebenfalls setzte.
   »Bis zum Stadtpark!« Laura-Luises Begeisterung überschritt jetzt endgültig die Grenzen jeder natürlichen Reaktion. »Das ist ja großartig!«
   »Nicht wahr? Und das in unserem Alter«, murmelte Thomas unüberhörbar, während sich Susanne ein gequältes Lächeln abrang. Die enthusiasmierte MfS-Mitarbeiterin überhörte den Einwurf und klatschte mit demonstrativer Aufgeräumtheit in die Hände, was dazu führte, dass Marlies aus ihrer Lethargie aufschreckte.
   »Rino?« Marlies Blick irrte suchend umher. Als sie ihren Enkel nicht entdecken konnte, sackte sie wieder in sich zusammen.
   »Nun denn!« Laura-Luise Holzig schob eine Strähne ihrer wolligen schwarzen Mähne, die sich aus dem von einer indianisch inspirierten Haarspange zusammengehaltenen Pferdeschwanz gelöst hatte, hinter das Ohr zurück. Dann ordnete sie unter Vermeidung jeder allzu energischen Bewegung, die auf einen labilen Betrachter möglicherweise hätte einschüchternd wirken können, einige vor ihr liegende Papiere.
   »Nachdem wir jetzt alle versammelt sind, können wir wohl beginnen.« Sie bedachte die Runde mit einem motivierenden Lächeln, das auch die bettlägerigen WG-Bewohner Klaus und Emil auf dem großen Wandbildschirm einschloss. »Der Anlass unserer Zusammenkunft«, Laura-Luises Mundwinkel senkten sich um ein exakt dosiertes Maß, »ist ein betrüblicher und erfreulicher zugleich, wie Sie wissen. Betrüblich, weil Heidrun nicht mehr unter uns ist. Wir haben mit ihr einen Menschen verloren, dessen Lebensfreude und durch nichts zu erschütternder Optimismus diese kleine Gemeinschaft bereichert und befruchtet hat.«
   Thomas beugte sich zu Susanne hinüber. »Naiv war sie. Hat bis zum Schluss an eine Rentenerhöhung geglaubt, wie es sie bis um die Jahrtausendwende gab.«
   Susanne nickte mitleidig.
   »Erfreulich«, fuhr Laura-Luise mit leicht erhobener Stimme fort, »weil die schmerzliche Lücke, die Heidrun hinterlassen hat, so schnell wieder ausgefüllt werden kann.«
   »Anderthalb Tage«, stieß Susanne mit nur mühsam unterdrückter Empörung hervor. »Sie ist noch nicht mal richtig kalt.«
   »Denn das Ministerium für Seniorinnen und Senioren«, Laura-Luise Holzigs Diktion wurde noch etwas bestimmter, »sah sich in der glücklichen Lage, Ihnen umgehend eine Kandidatin vorzuschlagen, die es bei allem Verständnis für Ihre Trauer um Heidrun keineswegs verdient hätte, von Ihnen lediglich als Ersatz betrachtet zu werden. Mit …«
   »Mamma mia, here I go again / my my, how can I resist you?«
   Sämtliche Anwesenden in der Küche zuckten erschreckt zusammen, als unvermutet eine weitere ABBA-Version André Rieus aus dem Lautsprecher des Wandmonitors erschallte. Erst auf ein verhalten tadelndes Lächeln von Laura-Luise in Richtung Kamera stellte Klaus mit trotziger Miene seine geliebte Musik wieder ab.
   Die Vertreterin des MfS wies mit der einladend nach oben geöffneten Handfläche ihrer Rechten auf die Unbekannte zu ihrer Linken. »Ich darf Ihnen Verena Knischl vorstellen. Verena, das sind Klaus, Emil, Marlies, Sabine, Thomas und Susanne.«
   Verena nickte allen der Reihe nach freundlich zu, wobei ihr Blick kurzzeitig bei Thomas verharrte. Ihre dezent geschminkten Lippen, deren Farbgebung perfekt mit der Tönung ihrer ein wenig ausgewachsenen, jedoch sorgsam gelegten Mittelstandsfrisur harmonierte, öffneten sich leicht, und für den Bruchteil einer Sekunde schob sich ihre Zungenspitze durch die mittlere der drei Zahnlücken. Thomas schluckte, während er spürte, wie ihm eine heiße Röte ins Gesicht schoss. Laura-Luise hatte inzwischen diskret ihre Notizen zurate gezogen.
   »Als ehemalige Betriebswirtin passt Verena unserer Auffassung nach ganz hervorragend in Ihre kleine Gemeinschaft. Sie könnte zum einen bei der Verwaltung des WG-Etats zweifellos so manchen hilfreichen Hinweis geben«, den letzten Worten folgte erneut ein kurzer Blick in die Unterlagen, der flüchtig den Ansatz eines missbilligenden Stirnrunzelns hervorrief, »und dürfte auch ansonsten für Sie eine interessante Gesprächspartnerin darstellen.«
   »Eigentlich hat es uns bisher nicht an Themen gemangelt«, bemerkte Susanne bissig. Wie immer, wenn sie böse war, zischten die s-Laute besonders heftig.
   »An Geld aber schon.« Thomas sandte ein vertrauliches Lächeln zu Verena, das diese augenzwinkernd erwiderte.
   »Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass irgendjemand in unserer Wohngemeinschaft in der Vergangenheit irgendetwas entbehren musste«, erklärte Susanne mit Eis in der Stimme.
   Thomas zuckte zusammen. »Nein, natürlich nicht. Ich … äh … wollte damit nur sagen, dass … äh … ein gelegentlicher Tipp, was unsere Haushaltsführung angeht …«
   Laura-Luise plinkerte nervös mit den Augenlidern. »Nun, selbstverständlich wollen weder ich als Ihre Betreuerin vor Ort noch das MfS an sich Ihrer Entscheidung vorgreifen. Wer tatsächlich an Heidruns Stelle hier einzieht, liegt letztlich ganz allein in Ihrem Ermessen.«
   »Das ist klar.« Thomas nickte. »Allerdings meine ich in Anbetracht der Tatsache, dass sich Verena nun schon mal …«
   »Dann gibt es noch andere Kandidaten?«, fiel ihm Susanne ins Wort.
   Laura-Luise Holzigs Lächeln schaltete sich an und aus wie eine defekte Leuchtstoffröhre. »Äh … ja. Aber sie würden sich in keinem Fall so ideal in das Belegungsprofil dieser WG einfügen wie Frau Knischl.«
   »Finanzkundig, gesprächsbereit, kon-takt-freu-dig …« Susanne hatte das letzte Wort wie mit einem Messer in seine vier Silben zerlegt, und Thomas, der eben noch leicht verträumt Verena angeglast hatte, schreckte auf.
   »Trotzdem haben wir ja wohl das Recht, auch diese anderen Bewerber kennenzulernen, bevor wir unseren Entschluss fassen! Es ist ein Unding, wenn uns das MfS hier in dieser perfiden Weise zu manipulieren versucht!« Beifall heischend sah er Susanne an, die in einer Mischung aus deutlicher Skepsis und verhaltener Anerkennung nickte.
   »Genau!«
   »Wobei das nicht gegen Sie gerichtet ist«, beeilte sich Thomas an Verena gewandt zu versichern, wodurch er schlagartig seinen gerade erst erzielten kleinen Punktgewinn bei Susanne wieder zunichtemachte.
   »Ich verstehe das schon ganz richtig«, wohldosierte Pause, »Thomas«, beruhigte ihn Verena und lächelte dabei seine zur Salzsäule erstarrte Lebensabendspartnerin zuckersüß an.
   Doch Laura-Luise Holzig zeigte sich dank ihrer erweiterten psychologischen Schulung auch dieser Situation gewachsen.
   »Mein lieber Herr Bauer, meine liebe Frau Iserhoth-Weingarten, niemand will Ihre kleine Gemeinschaft in irgendeiner Form manipulieren. Und das MfS schon gar nicht. Im Gegenteil, es geht uns ausschließlich um Ihr Wohlergehen. Und wenn wir dabei gelegentlich sogar im privaten Bereich Glück stiftend wirken können – meines Wissens haben Sie beide sich ja erst hier kennen und … schätzen gelernt –, dann ist das eine besondere Freude für sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MfS. Wir lieben Sie doch alle!«
   Geblendet von ihren aufblitzenden Zahnreihen, schloss Thomas sekundenlang die Augen.
   »Tja, dann sollten wir jetzt vielleicht mit der Abstimmung beginnen«, schlug Laura-Luise vor.

*

Verena hatte sich diskret auf den Flur zurückgezogen, wo sie nun mit halbherzigem Interesse die Notizen am Schwarzen Brett studierte. Das MfS bat die InsassInnen mit Mobilität in den Wohngemeinschaften, die IMs, darum, in Fällen unvermuteter Erkrankung umgehend die zuständige Dienststelle zu informieren. Ein Arzt bot preisreduzierte Untersuchungen anlässlich der bundesweiten Venenwoche an, und bei einem nostalgischen Telefonservice – »Wir sprechen live« – konnte man persönliche Anrufe bestellen. Einen Moment lang war Verena versucht, für Susanne eine »Besorgte-zehn-Minuten-Nachfrage-mit-verständnisvoller-Kommentierung« in Auftrag zu geben, doch dann verwarf sie den Gedanken als billigen Scherz auf Kosten der Älteren. Außerdem wäre es sicherlich unklug, sich auf diese Weise einzuführen. Wenn Laura-Luise Holzig nicht allzu sehr übertrieben hatte, um ihr die WG schmackhaft zu machen – als wenn es bei der Chance, hier einziehen zu können, einer besonderen Schönfärberei bedurft hätte –, herrschte in der Villa, abgesehen von den üblichen Reibereien, eine außergewöhnlich harmonische Atmosphäre. Das starke Gefühl der Solidarität unter den Bewohnern hatte seinen tragischen Ausdruck zuletzt in jenem Vorfall gefunden, der Verena nun zu einer aussichtsreichen Anwärterin auf das dadurch frei gewordene Zimmer machte: Nachdem Heidrun, die in der Wohngemeinschaft als eine der IMs für die Betreuung des hochbetagten Emil zuständig gewesen war, im Institut für künstliche Augen vorgesprochen hatte, um für den Hundertzweijährigen die grundsätzlichen Chancen eines Wechsels auf 3-D-Screen-taugliche Sehhilfen auszuloten, war sie auf dem Rückweg von einem neunundsechzigjährigen Frührentner über den Haufen gefahren worden. Solche schicksalhaften Unglücksfälle kamen immer wieder vor, doch hier bedeutete diese kurzzeitige Unkonzentriertheit des zum Einparken Entschlossenen für die Hinterbliebenen, das heißt die Wohngemeinschaft, neben der persönlichen Trauer zusätzlich eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung, die ein spürbares Loch in den ohnedies mehr als angespannten WG-Etat reißen würde. Allerdings bestand wohl die Chance, wenigstens einen Teil der Ausgaben zurückzuerhalten. Auch wenn die Schuldfrage noch nicht endgültig geklärt war, ging Verena davon aus, dass sich das MfS an den Beerdigungskosten zu beteiligen hatte, da die zu Tode Gekommene nachweislich in ihrer Funktion als IM unterwegs gewesen war. Sie sollte unbedingt Thomas darauf ansprechen, damit die WG einen entsprechenden Antrag stellte.
   Verena seufzte, als sie an den einzigen männlichen IM in der Wohngemeinschaft dachte. Männer sind ein knappes Gut, hatte sie schon als junge Betriebswirtin vor langer Zeit erkannt und deshalb alle Anstrengungen unternommen, um nicht selbst ein Opfer dieser betrüblichen Mangelsituation zu werden, die sich aufgrund der immer noch geringeren Lebenserwartung des nur angeblich stärkeren Geschlechts von Jahr zu Jahr absehbar verschärfen würde. Doch ihr beherzter Zugriff, als sich denn nach einer Reihe belangloser Beziehungen eines der inzwischen schon rareren Exemplare in erreichbarer Nähe befand, erwies sich bedauerlicherweise sehr schnell als ausgesprochener Fehlgriff. Immerhin verlief die Scheidung problemlos, da keine Kinder die Trennung verkomplizierten.
   Und nun bot sich ihr mit dreiundsiebzig noch einmal eine echte Chance. Auf der Fahrt in die Villa hatte sie Laura-Luise Holzig einige der entscheidenden Informationen über Thomas Bauer entlocken können: Zweimal war er in den Hafen der Ehe eingelaufen und hatte in beiden Fällen nach wenigen Jahren wieder den Anker gelichtet, ohne dass sich die Mannschaft an Bord in dieser Zeit vergrößert hätte, sprich, er hatte ebenfalls keine Nachkommen in die Welt gesetzt. Dass der ehemalige Vertriebsleiter des Deutschen Buchverlages, hervorgegangen aus der Fusion der letzten selbstständigen Medienkonzerne, nun allerdings mit Susanne Iserhoth-Weingarten liiert war, hatte ihr die MfS-Vertreterin hinterhältigerweise verschwiegen. Ob da drinnen jetzt bereits von dieser Seite gegen sie intrigiert wurde? Verena musste sich zwingen, nicht das Ohr an die Küchentür zu legen, um dem Verlauf der Abstimmung über ihr zukünftiges Schicksal zu lauschen. Obwohl sie eigentlich keine allzu großen Befürchtungen hegte, denn Laura-Luise Holzig würde schon dafür sorgen, dass nichts schiefging. Schließlich erfreuten sich, wie allgemein bekannt war, 133er-WGs wegen ihrer kostengünstigen Grundstruktur der besonderen Aufmerksamkeit und Wertschätzung des MfS. Denn das Prinzip, drei pflegebedürftigen Alten drei unterstützende InsassInnen mit Mobilität an die Seite zu stellen und diese Konstellation durch einen einzelnen IM mit Sonderfunktion (IMS) abzusichern, hatte sich als äußerst effektiv erwiesen. Auf diese Weise konnte das MfS die Frequenz seiner eigenen Betreuungseinsätze deutlich reduzieren und damit den Etat der Behörde spürbar schonen, was letztlich sogar beiden Seiten zugutekam. Denn seit der Staat seine Alten durch eine gezielte Renten- und Abgabenpolitik vermehrt zum freiwilligen Eintritt in sich weitgehend selbst umsorgende Wohngemeinschaften veranlasst hatte, weil der bis dahin propagierte Weg der familiären häuslichen Pflege längst nicht mehr praktikabel gewesen war, zeigten sich die Betroffenen keineswegs unglücklich, nur so selten unmittelbar mit dem MfS zu tun zu haben.
   Wieder näherte sich Verena mit ein paar zögernden Schritten der Küchentür. Einzelne Satzfetzen, die auf den Flur hinausdrangen, gaben ihr die beruhigende Gewissheit, dass Laura-Luise tatsächlich ein klares Plädoyer zugunsten der von ihr favorisierten WG-Anwärterin abgab. Als drinnen ein Stuhl zurückgeschoben wurde, verließ sie hastig ihren Horchposten.
   »Frau Knischl?« Laura-Luises Lächeln sprengte fast den Türrahmen. »Bitte kommen Sie.«
   Verena bemühte sich, eine möglichst neutrale Miene aufzusetzen, als sie wieder am Küchentisch Platz nahm. Die MfS-Vertreterin strahlte erst in die Runde und dann sie an.
   »Liebe Frau Knischl, oder besser: Liebe Verena! Nach dieser Anrede werden Sie schon ahnen, was ich Ihnen als Ergebnis unserer kurzen Beratung mitteilen darf. Ich freue mich, Sie im Namen der Senioren- und Seniorinnen-Wohngemeinschaft im Breughelweg 47 als neue Mitbewohnerin begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen!« Während Laura-Luise ihr die Hand schüttelte, stand Thomas unsicher auf und räusperte sich.
   »Liebe … äh … Verena. Wie Sie bemerkt haben, bedurfte es keiner längeren Diskussion, um zu diesem Entschluss zu gelangen, dessen Ergebnis wir alle aus vollem Herzen begrüßen. Wir sind damit wieder vollzählig, und ich darf im Namen von uns allen sagen, … äh …«
   Er blickte vergeblich Hilfe suchend umher. Susanne betrachtete angelegentlich ihre Fingernägel, Sabine lockerte im Sitzen ihre Wadenmuskeln für die nächste Joggingrunde, Marlies dämmerte vor sich hin, Klaus fingerte mürrisch an seiner Fernbedienung herum, und Emil war eingeschlafen.
   »Tja, also, was ich sagen wollte, ist … Herzlich willkommen!« Schnell ließ er sich wieder auf seinen Stuhl sinken.
   »Vielen Dank, Thomas.« Laura-Luise Holzig belohnte ihn mit einem breiten Lächeln. »Ich denke, schon mit diesen wenigen Worten haben Sie Verena spüren lassen, dass sie bereits jetzt in Ihrer kleinen Gemeinschaft angekommen ist. Verena, möchten Sie vielleicht auch einige Sätze sagen?«
   »O ja. Wir haben eben so viel Gutes von Ihnen aus dritter Hand erfahren, da wäre es schön, auch noch einmal das Original zu hören«, bemerkte Susanne, ohne ihre optische Maniküre zu unterbrechen.
   »Nun, ich …« Verena holte tief Luft. »Zunächst einmal bin ich sehr froh, hier wohnen zu dürfen. Und ich bin sicher, dass wir spätestens nach einer kurzen Eingewöhnungszeit prächtig miteinander auskommen werden. Was mich betrifft, so werde ich mich jedenfalls darum bemühen, und ich hoffe, dass Sie … dass ihr das auch tut. Danke.«
   Laura-Luise nickte beifällig. »Mit diesen ebenso persönlichen wie optimistischen Erklärungen ist zweifellos die Basis für eine Fortsetzung des solidarischen Miteinanders, wie es Ihre kleine Gemeinschaft in der Vergangenheit auszeichnete, geschaffen worden. Danke, Thomas, danke, Verena.« Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Uhr und schlug eine neue Seite in der vor ihr liegenden Akte auf. »Dann sollten wir, bevor ich Ihre kleine Gemeinschaft leider wieder verlassen muss, sicherheitshalber noch einmal kurz die Verantwortlichkeiten hier im Haus festhalten. Schließlich wollen wir ja, dass alles reibungslos weiterläuft.« Nur ein äußerst scharfohriger und zudem bösartiger Zuhörer hätte meinen können, in dem letzten Satz so etwas wie eine unterschwellige Drohung auszumachen.
   »Susanne betreut Klaus, Sabine ist für Marlies zuständig, und Thomas behält unverändert seine Funktion als IMS, um gegebenenfalls einspringen zu können. Verena übernimmt die Aufgabe von Heidrun. Das bedeutet …«
   Susanne legte ihren Arm besitzergreifend um Thomas und fixierte ihre neue Konkurrentin mit warnend zusammengekniffenen Augen. »Emil für dich.«
   »Genau!«, jubelte Laura-Luise. »Was für ein wunderbares System.« Sie reichte Verena ein Formular. »Wenn Sie bitte diese Verpflichtungserklärung unterschreiben würden? Eine reine Formsache«, setzte sie beruhigend hinzu.

Kapitel 2
Eine brillante Idee

Wie durch leichte Schleierwolken abgemilderten Strahlen der Nachmittagssonne verliehen dem verwahrlosten Garten der Villa mit ihrem sanften Licht- und Schattenspiel eine geradezu idyllische Atmosphäre. Die kaum noch als solche kenntlichen Blumenbeete mit dem hoch aufgeschossenen Unkraut waren plötzlich nicht mehr einfach nur ungepflegt, sondern wurden zur geheimnisvoll raschelnden Heimstatt unsichtbarer Geister, und die von Rissen durchzogenen und an den Ecken abgeplatzten Gehwegplatten beleidigten nicht mehr das kritische Auge, sondern fügten sich harmonisch in das Gesamtbild eines in Ehren ergrauten Stückchens gestalteter Natur ein. Inmitten dieses heimeligen Refugiums (alle Zitate aus der Informationsbroschüre »Lebensabend« des MfS) stand, beschirmt von einer mächtigen Platane, ein kleiner hölzerner Gartentisch, um den sich drei Stühle gruppierten. Diese Möbel hatten unzweifelhaft schon bessere Zeiten gesehen, aber mit ihrer rissigen UV-gebleichten Oberfläche passten sie ebenfalls unbestreitbar zum Gesamtambiente.
   »Ach ja, so lässt es sich doch halbwegs leben.« Den tadelnden Blick Susannes ignorierend, schlürfte Thomas mit genießerisch gespitzten Lippen geräuschvoll den Tee über den Tassenrand, bevor er sich wieder zurücklehnte, um seine unterbrochene Lektüre fortzusetzen. Sie hatten es sich in der Sitzecke gemütlich gemacht und lasen im Gutenberger Printorama, der etwas kuriosen einzigen noch erhältlichen Papiertageszeitung, zu deren Abonnierung sie die WG trotz der unverschämt hohen Kosten mit sanftem Drängen hatten veranlassen können. Nach anfangs noch gelegentlich aufkommendem Murren hatte inzwischen keines der übrigen Mitglieder mehr etwas gegen die Entscheidung einzuwenden. Emil und Klaus, weil sie sich an die Abstimmung überhaupt nicht mehr erinnerten und das Blatt sowieso nicht zu Gesicht bekamen, Marlies, weil sie über der Lektüre so prachtvoll wegdämmern konnte, und Sabine, weil sich die zwei Doppelbögen hervorragend dazu eigneten, um, gut angefeuchtet in ihre Jogging-Schuhe gestopft, die kostbaren Stücke über Nacht vor Austrocknung zu bewahren.
   Für Thomas und Susanne stellte schon allein der haptische Vorgang des vierfachen Umblätterns – die Wochenendausgabe umfasste sogar drei Doppelbögen in lesefreundlichem Großdruck –, begleitet von diesem unverwechselbaren Rascheln, jedes Mal eine beglückende Reise in die Vergangenheit dar. Häufig geschah es dann, dass sie sich, angeregt von einer aktuellen Meldung, ihren Jugenderinnerungen hingaben. Sie taten das keineswegs mit einer sentimentalen Beschwörung der guten alten Zeit, obwohl das Bewusstsein, dabei in ein vergangenes Jahrtausend zurückzublicken, gelegentlich doch einen Anflug von Wehmut bei ihnen hervorrief.
   »Warst du eigentlich damals in Brokdorf dabei?« Thomas registrierte selbst mit einer gewissen Verblüffung, dass er das bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gefragt hatte.
   Susanne zupfte einen Holzspan aus der Tischoberfläche, wobei ihr ein Stück des spröden Fingernagels abbrach. »Nein.« Sie strich über die schartige Stelle. »Wir wohnten damals noch in München, und natürlich waren wir alle gegen den Atomstaat, aber irgendwie …«
   Thomas brummte verständnisvoll. »Na ja, das wär ja auch ein ganzes Ende gewesen von da.«
   »Aber gegen den NATO-Nachrüstungsbeschluss haben wir demonstriert!« Susanne war nicht gewillt, sich mit milder Nachsicht in die Ecke der unpolitischen Bewusstseinslosen drängen zu lassen. »Und als die ersten Bioläden aufkamen, haben wir da sofort gekauft. Egal, wie es schmeckte. Leckeren Rohmilchkäse, fades Brot, neutralen Tofu …«
   »Ich weiß, ich weiß.« Er hob besänftigend die Hände. »Und alles in Jute statt Plastik nach Hause getragen. Das sollte doch gar kein Vorwurf sein.«
   »Und das ging nicht auf Horsts Initiative zurück«, betonte sie trotzdem. »Der interessierte sich nämlich hauptsächlich für Fußball.«
   »7. Juli 1974.« Thomas schwelgte augenblicklich in seligen Erinnerungen. »Deutschland wird Weltmeister. Zwei zu eins gegen die Niederlande durch Breitner in der 26. und Müller in der 43. Minu…«
   »Ich störe hoffentlich nicht.«
   Susanne und er blickten auf und gaben in stereofonem Gleichklang einen unterdrückten Überraschungslaut von sich. Bei Thomas ähnelte das allerdings mehr einem ersterbenden Hauchen, während Susanne ganz offensichtlich einen bissigen Kommentar hinunterschluckte.
   Verena Knischl bog vorsichtig einen überhängenden Zweig beiseite, damit er sich nicht in der Manschette ihrer schon etwas älteren, aber immer noch eleganten weißen Bluse verhakte, und trat auf sie zu.
   »Nein, überhaupt nicht.« Thomas sprang trotz seines arthritischen Knies mit geradezu jugendlichem Elan auf und rückte einladend den dritten Stuhl zurecht. »Bitte.«
   »Danke.« Sie nahm Platz und breitete in einer allumfassenden Geste die Arme aus. »Was für ein herrliches Fleckchen Erde. Das ist ja fast wie im Paradies.«
   »Nur dass es hier keine Schlangen gibt«, bemerkte Thomas schlagfertig.
   »Bist du da sicher?«, fragte Susanne, während sie gleichzeitig ihren Oberkörper ein wenig auffällig zur Seite neigte, um an der Tischkante vorbeischauen zu können. »Ist das echtes Leder?«
   Verena sah an sich hinunter. »Die Hose? Ja.« Sie hob den Kopf und blickte Susanne direkt in die Augen. »Von einer Ziege.«
   Thomas konnte seine Bewunderung nicht verbergen. »Die steht dir ausgezeichnet. Sie ist sehr …« Er schluckte.
   »… praktisch«, ergänzte Susanne. »Wenn man beim Essen kleckert, gibt’s keine Flecken, nicht? Einfach rüberwischen, und fertig.«
   »Meine Motorik ist eigentlich noch ganz gut intakt«, versicherte Verena. Sie zuckte bedauernd mit den Schultern. »Insofern kann ich dir zu dem Problem nicht viel sagen. Tut mir leid.«
   »Du willst doch bestimmt auch einen Tee.« Thomas stemmte sich erneut hastig aus seinem Stuhl hoch. »Ich hol dir eine Tasse.«
   Er entfernte sich mit eiligen Schritten und wäre dabei fast über die hervorstehende Kante einer ehemaligen steinernen Beeteinfassung gestolpert.

*

Susanne und Verena musterten sich nach Thomas’ Abgang stumm. Schließlich begann es um Susannes Mund verräterisch zu zucken. »Wir Frauen sind doch die besseren Biester, was?«
   »Du meinst, was diesen subtilen Austausch von kleinen Bosheiten betrifft?«, grinste Verena zurück. »Ja, da kommen die Männer nicht an uns ran.«
   »Aber irgendwas hat er zum Schluss doch gemerkt.« Susanne kicherte verhalten. »Und da wurd’s ihm glatt ein bisschen blümerant, und – zack – weg war er, Thomas, mein Ritter, mein Held!«
   Verena beugte sich vor. »Dabei weißt du ganz genau, was Nappaleder ist.«
   »Und du weißt ganz genau, wie es wirkt.«
   Wieder maßen sie sich prüfend.
   »Direkt unsympathisch finde ich dich eigentlich nicht«, gestand Susanne zuletzt.
   »Hm, das kann ich so auch von mir, also das heißt von dir sagen«, erwiderte Verena. Erneut verstummten sie für einen Moment.
   »Vielleicht könnten wir ja zu so etwas wie einem Ladies’ Agreement kommen«, regte Verena zögernd an. »Also bezüglich …«

*

»So, da bin ich wieder. Und ich hab gleich noch ein bisschen was zum Naschen mitgebracht.« Thomas stellte die zusätzliche Tasse und einen kleinen Teller mit Süßigkeiten auf den Tisch, bevor er die Teekanne ergriff und allen einschenkte. Dabei suchte er unauffällig in den Mienen der beiden Frauen nach Hinweisen darauf, wie er die momentane Situation einzuschätzen hatte. Als er feststellte, dass sich die Atmosphäre während seiner kurzen Abwesenheit ganz offenkundig entspannt hatte, ließ er sich mit einem erleichterten Seufzer auf seinem Stuhl nieder.
   »Na, hast du dich schon ein bisschen eingelebt?« Er bemühte sich bei seiner Frage redlich, Verenas Outfit diesmal keine allzu entlarvende Beachtung zukommen zu lassen. Um seine Augen abzulenken, gab er mit konzentrierter Aufmerksamkeit einen exakt bemessenen Schuss Milch in Susannes Tee.
   »Also – danke, ich trinke ihn schwarz – irgendwie befinde ich mich gefühlsmäßig noch in der Eingewöhnungsphase«, entgegnete Verena. »Wenigstens habe ich jetzt alles eingeräumt. Mehr ist nach drei Tagen wohl auch nicht zu erwarten.«
   »Nein, natürlich nicht.« Genussvoll schaufelte er zwei gehäufte Löffel Zucker in seine eigene Tasse. »Tja.« Er lächelte stolz, als er Verenas überraschten Gesichtsausdruck bemerkte. »Diabetes ist für mich ein Fremdwort.«
   »Nicht nur für dich«, warf Susanne kühl ein. »Es kommt wirklich aus dem Griechischen.«
   Mit einer übertrieben gespreizten Geste führte Verena ihre Tasse zum Mund. »Ach, ich genieße diese intellektuellen Bonmots. Meine Liebe, hast du davon noch mehr auf Lager?«
   Susanne verzog die Lippen zu einem lückenreichen Haifischlächeln. »Ich will dich nicht jetzt schon überfordern, meine Liebe.«
   »Also bitte, bitte!« Thomas verdrehte genervt die Augen. »Wie war das mit dem Paradies hier? Macht euch doch mal klar, dass wir hier einfach so sitzen können. Selbstbestimmt. Gesund. In einem eigenen Garten. Nicht in einer Etagen-WG. Oder womöglich in einem dieser Heime. Was für eine Kategorie könnten wir uns da denn leisten? Gut, wir stehen trotzdem alle nicht gerade glänzend da,« – er ignorierte den anzüglichen Blick, den Susanne auf Verenas matt schimmernde Beinkleider warf, wobei sie erst jetzt mit Genugtuung ein paar bereits abgeschabte Nahtstellen registrierte – »finanziell, meine ich, aber immerhin sind wir als IMs dieser WG doch in einer recht privilegierten Position. Sagt selbst: Hättet ihr das vor dreißig Jahren für möglich gehalten, im Al… äh … später einmal so angenehm zu wohnen? Jedenfalls im Vergleich zu vielen anderen«, setzte er relativierend hinzu.
   »Um ehrlich zu sein, hab ich damals ziemlich verdrängt, dass es wirklich schlimm werden könnte«, gab Susanne zu. »Klar war immer die Rede davon, dass es mit dem Renten- und Sozialsystem nicht mehr so weitergehen wird wie bisher, aber so ganz konkret hab ich mir die möglichen Folgen nie ausgemalt.« Sie hob ein wenig ratlos die Schultern. »War natürlich irgendwie ziemlich blind. Ich meine, mit der Logopädie lief es logischerweise immer schlechter, je weniger Kinder es gab. Bis ich die Praxis zum Schluss nur noch mit Ach und Krach über Wasser halten konnte. Trotzdem, ich hab’s lieber nicht an mich rangelassen. Du etwa?«
   Verena schüttelte den Kopf. »Was hätte es auch genützt? Für eine private Vorsorge neben den Pflichtabgaben war ohnehin nichts übrig. Also hieß es Augen zu und durch. Ich stand finanziell vielleicht etwas günstiger da, aber echte Rücklagen zu schaffen, war trotzdem nicht drin. Einen gewissen Lebensstandard wollte man schließlich auch damals halten und nicht nur für das Alter leben.«
   »Tja ja«, seufzte Thomas, »wir gehören eben zur lost generation. Alles gegeben, doch nichts dafür gekriegt.«
   »Can you hear the drums, Fernando? / I remember long ago another starry night like this. / In the firelight, Fernando / You were humming to yourself and softly strumming your guitar …«
   »Wie war das?«, brüllte Susanne nur halb im Scherz. »Selbstbestimmt? Angenehmes Wohnen?«
   »Ich habe auch gesagt, dass es natürlich schon ganz angenehm wäre, wenn wir ein bisschen mehr Geld zur Verfügung hätten«, verteidigte sich Thomas genauso lautstark. Denn auch er musste seine Stimme deutlich erheben, um gegen den Lärmpegel durchzudringen.
   »Ein bisschen mehr?«, höhnte sie. »Weißt du, was ein Paar vernünftige Hörgeräte für Klaus kosten würde? Vielleicht spendierst du ja gleich noch neue Fenster für die ganze Villa dazu?«
   »Also es wäre die Ausgabe schon wert.« Verena atmete erleichtert auf, denn die Musikbeschallung war ebenso schlagartig abgebrochen, wie sie begonnen hatte.
   »Bestimmt ist ihm wieder die Fernbedienung runtergefallen«, mutmaßte Susanne.
   »Und außer Emil und Marlies ist niemand anders im Haus«, ergänzte Thomas zufrieden.
   »Stimmt.« Sie schickte einen sehnsuchtsvollen Blick in Richtung Villa. »Wenn sich jetzt der böse schwarze Mann hineinschleichen würde, um Klaus niederzumeucheln, könnte ihm niemand …«
   Das Knarren der rostigen Gartenpforte unterbrach ihre mordlustige Anwandlung, und wenig später schob sich ein schlaksiger Achtjähriger den verschlungenen Pfad entlang, der zwischen den ungehemmt wuchernden Büschen zur Villa führte. Sein schlurfender Gang ließ ebenso wie die akkurat gescheitelte Frisur mit dem seitlichen Wellenschnitt und die einseitig ausgestellte dreiviertellange Glockenhose unbestimmbarer Farbe keinen Zweifel an der voll ausgebrochenen Pubertät zu.
   Verena, deren Modegeschmack ganz offensichtlich ein anderer war, stöhnte entsetzt auf.
   »Hallo Rino«, rief Susanne amüsiert. »Pirschst du dich wieder von hinten ran, damit dich deine Kumpel nicht sehen? Deine Oma ist in ihrem Zimmer.«
   Schweigend sahen sie Marlies’ Enkel nach, der ihnen lässig zuwinkte, bevor er den Garten durchquerte und um die Hausecke verschwand. Minuten später ertönte ein lauter Freudenschrei aus einem der halb geöffneten Fenster.
   »Marlies blüht jedes Mal richtig auf, wenn er kommt«, stellte Susanne fest. »Na ja, irgendwie hat’s ja auch was.«
   »Höre ich da einen Hauch von Wehmut?« Thomas sah sie überrascht an. »Ich dachte immer …«
   »Keine Sorge, ich fange nicht plötzlich an, den entgangenen Freuden der Mutterschaft hinterherzutrauern«, beruhigte sie ihn. »Es ist einfach eine feine Sache, wenn da so ein junger Mensch – ach, das hört sich jetzt schrecklich pathetisch an.«
   »Das braucht dir doch nicht peinlich zu sein«, wurde sie von Verena getröstet. »Mit dieser postklimakterischen Gefühlsschwangerschaft stehst du schließlich nicht allein da.«
   Susanne beäugte sie interessiert. »Willst du damit sagen, dass du es manchmal auch bedauerst, keine Enkel zu haben?«
   »Gelegentlich schon.« Verena wand sich ein wenig. »Wer tut das nicht? Aber wir haben selbst keine Kinder gekriegt, also gibt’s für uns logischerweise keine Enkel. Selbst mit allem Geld der Welt wäre da nichts mehr zu machen.«
   »Oh, es genügt schon eine etwas kleinere Summe«, widersprach Thomas. Er griff nach der Zeitung auf dem Tisch und fuhr mit dem Finger die Inserate entlang. »Hier! ›Luxuriöse Suiten in Seniorenresidenz frei. 150 m2, Arztbesuche gratis, drei Spitzenköche, Sauna, Solarium, Wellness, Fitness inbegriffen‹.«
   »Ja und?«
   »Wartet ab, jetzt kommt’s! ›Balkon mit Blick auf Kinderspielplatz in unmittelbarer Nachbarschaft gegen Aufpreis‹.« Er warf die Zeitung auf den Tisch zurück. »So sieht’s aus! Wer das nötige Kleingeld hat, der kann sich fast wieder ins 20. Jahrhundert zurückversetzen. Und ihr dürft sicher sein, dass diese Luxusapartments als Erste weggehen.«
   »Trotzdem ändert das nichts an der Richtigkeit meiner Feststellung«, hob Verena hervor. »Gut, du kannst dir bei entsprechender Liquidität vielleicht noch die Spielplatznähe erkaufen, aber das eigene Enkelkind eben nicht. Enkel sind ein knappes Gut. Wie Männer. Jedenfalls in unserem Alter. Und besonders knackige Männer …«
   Susanne räusperte sich unüberhörbar, was Thomas’ Brustkorb sofort wieder auf Normalmaß schrumpfen ließ.
   »Musst du dich nicht so langsam um das Abendessen für Emil kümmern?«
   »Das hat noch Zeit«, antwortete Verena freundlich. »Oder willst du schon los, um Klaus zu versorgen?«
   »Ich muss mich ja nicht vorher umziehen. Aber es wäre doch schade, wenn deine hübsche Bluse einen Fleck abkriegt.«
   »Oh, danke für das Kompliment. Vorhin hatte ich noch den Eindruck, dass sie dir nicht gefällt.«
   »Da hast du dich getäuscht. Es sind andere Dinge, die mir nicht gefallen.«
   »Geht das schon wieder los?« Thomas reckte theatralisch beide Arme in die Höhe. Allerdings gelang es ihm nicht, seinem verzweifelten Ausruf jenen leicht geschmeichelten Beiklang zu nehmen, der seinen wahren Empfindungen entsprach. Nachdem er nämlich erkannt hatte, dass nicht die Gefahr bestand, von einer der beiden Kontrahentinnen zu einer direkten Parteinahme aufgefordert zu werden, genoss er seine neue Stellung als Hahn im Korb. Doch im Moment drängte eine noch vage Idee, die ihm durch den Kopf geisterte, dieses angenehme Gefühl etwas in den Hintergrund. Er straffte sich entschlossen.
   »Hört mal zu! Enkel sind ein knappes Gut, wie es Verena sehr zutreffend formulierte. Gleichzeitig, das hat Susanne ebenso eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, bewegt die meisten Menschen … ich sage mal … fortgeschrittenen Alters in ihrem Herzen eine heimliche Sehnsucht nach strahlenden Kinderaugen, die zu ihnen aufblicken, nach erwartungsvoll entgegengestreckten Ärmchen, die auf den Arm genommen … na, ihr wisst schon, was ich meine.«
   »Das vielleicht«, warf Susanne verunsichert ein, »aber worauf du hinauswillst, ist mir noch nicht so recht klar.«
   Verena stimmte ihr mit einem stummen Kopfschütteln zu.
   Thomas durchstach vor Aufregung mit dem Zeigefinger beinahe das Inserat, bevor er ihn wie eine Lanzenspitze gegen sein ratloses Publikum richtete.
   »Wenn wohlbetuchte Leute bereit sind, schon allein dafür zu zahlen, dass sie in der Nähe eines Kinderspielplatzes wohnen dürfen, was werden sie dann erst für einen echten Enkel hinblättern?«
   Verena und Susanne runzelten in seltener Eintracht die Stirn.
   »Willst du damit andeuten …?«
   »Hast du etwa vor …?«
   »Ja.« Thomas lehnte sich gewichtig in seinen wackligen Stuhl zurück und legte beide Hände auf den nicht nennenswert stabileren Tisch. Trotzdem hätte der Chef eines internationalen Großkonzerns, der hinter seinem monströsen Schreibtisch präsidiert, eine geplante Investition kaum eindrucksvoller verkünden können.
   »Wir machen in Enkeln!«